Öffentlicher Brief an das Kuratorium junger Deutscher Film

Sehr geehrte Damen und Herren des Kuratorium junger Deutscher Film,

in Deutschland hat mittlerweile jede fünfte Person einen Migrationshintergrund. In der internationalen Diskussion um die Frage, inwieweit die spezifischen Belange von Menschen mit Migrationshintergrund, ihre Sichtweisen, ihre kulturellen Erfahrungen, Auseinandersetzungen und ihre kulturellen und künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten angemessen in der Kulturlandschaft berücksichtigt werden können, gilt es mittlerweile als eine Selbstverständlichkeit, dass Vertreter dieser Bevölkerungsgruppe in den entsprechenden Gremien, die sich mit ihnen befassen, vertreten sein sollten.

Wie wichtig dieser Punkt ist, zeigt sich angesichts eines einerseits zunehmend unverfroren auftretenden Rassismus und andererseits eines gesellschaftlichen Diskurses, der das Thema »Interkulturalität« in den Mittelpunkt gerückt hat. Dass Diversität nur angemessen beobachtet und evaluiert werden kann, wenn auch die Gremien in denen dies geschieht, Diversität repräsentieren, gilt im internationalen Kontext als eine Art Standard, von dem aber die Deutsche Filmförderung scheinbar vollkommen unbeeindruckt zu sein scheint. Das jedenfalls ist der Eindruck, der sich aufdrängt, wenn man die Zusammensetzung des Auswahlgremiums ansieht, das die Ablehnung meines Projektantrages beschlossen hat. Hier entschied ein zehnköpfiges Auswahlgremium, das ausschließlich aus weißen Personen bestand. 

Es stellt sich die Frage, inwieweit ein unter dem Aspekt der Diversität defizitär besetztes Gremium in der Lage ist, Projekte die intersektional verortet sind, wie zum Beispiel in meinem Fall (ich arbeite an der Schnittstelle von Queerness und Postkolonialismus), angemessen zu evaluieren. Kann man wirklich davon ausgehen, dass ausreichend Kompetenzen und Wissen zu Verfügung stehen, um Projekte, die sich mit dem Postmigrantischen und Queeren befassen, von diesem Gremium hinreichend evaluiert werden können? Gibt es tatsächlich ausreichend Expertise zu diesem Thema in dem Gremium? Ich würde wirklich gerne wissen, ob LGTBIQ* Personen in ihrem Gremium sitzen oder wenigstens zu dieser Thematik arbeiten. 

Wie man es anders machen kann, zeigt ein Blick auf die Diversity Konzepte des BFI in Großbritannien (http://www.bfi.org.uk/about-bfi/policy-strategy/diversity). Aber auch in Deutschland könnte man sich ein Beispiel nehmen, wie etwa am »Projektfonds kulturelle Bildung«, oder an dem Reader „Handlungsoptionen zur Diversifizierung des Berliner Kultursektors“ (http://www.kulturprojekte.berlin/fileadmin/user_upload/Presse/FINAL_mit_Grafik_auf_Doppelseite.pdf).

Mir geht es hier vor allem darum, Sie zu fragen, welche Strategien das Kuratorium beabsichtigt, um Diversity Ansätze in ihrem Auswahlgremium umzusetzen. Es geht hier nicht so sehr um meine Person. Klar bin ich frustriert; dass nach 5 Jahren, in welchen ich zwei Mal von der FFA und zwei Mal vom »Kuratorium Junger Deutscher Film« abgelehnt worden bin, trotz meines Studiums an einer deutschen Filmhochschule und trotz Festivalteilnahmen in Cannes, am Museum of Modern Art New York, auf der Documenta14 noch nie eine deutsche Filmförderung erhalten habe. Ich frage Sie, inwiefern das Kuratorium gedenkt, Diversity Konzepte und Strategien umzusetzen. Das Kuratorium beruft sich auf Alexander Kluge "Dass sich das Kuratorium konsequent auf den Nachwuchs und die Innovation konzentriert hat, macht diese Förderung gegenüber allen anderen Förderungen einzigartig. Ich wünsche allen jungen Filmemachern die Freiheiten, die wir mit der Installierung des Kuratoriums für einige Zeit hatten.“ Ich frage mich, ob 2018 das Kuratorium diesen Worten noch gerecht wird, wenn keinerlei Bemühungen zu sehen sind, dass Queere und Person of Colour in die Entscheidungsgremien berufen werden.

Eure

Simon(e) Jaikiriuma Paetau

Mitunterschreiber:

Dr. Azadeh Sharifi
Rainer Otto - Geschäftsführer Woki Bonn, CineVision Filmtheater


Dokumenta14 Premier "The whisper of the Jaguar"

The Whisper of the Jaguar is celebrating its premier at Dokumenta14 on the 31. August at 8pm. The screening is followed by a conversation with Thais Guisasola, Simon(è) Jaikiriuma Paetau, and Margarita Tsomou.

Frutas Afrodisíacas at Queer Weekend in Gorki

Frutas Afrodisíacas is shown as part of the queer performance Festival "Pugs in love - Queer Weekends" Gorki Studio Я on the 7th and 8th of July at 6 pm. Don't miss it!!!!



New shows - Frutas Afrodisíacas



FRUTAS AFRODISÍACAS
Von und mit Jair Luna, Simon(e) J. Paetau, Iury Trojaborg, Laura Paetau
und Michi Muchina

12. - 15. April 2017, 20 Uhr

(Not barrier-free!)

FRUTAS AFRODISÍACAS

Created by and featuring Simon(è) J. Paetau, Jair Luna, Iury Trojaborg, Laura Paetau
and Michaela Muchina

Forget about the old colonial explorer routes! The Frutas Afrodisíacas sail from the exoticised spheres of South America right into the heart of the German metropolis. Here in West-Berlin’s fag movement of the 1980s, they search for commonalities, contradictions, and themselves.

How did the AIDS crisis unite a whole community? Is there something like a queer heritage, and if so, what does it comprise? For one night, we’ll transform the bar at Ballhaus Naunynstraße into Café Anal, where you will be merrily waited on and entertained. We will dance for you like Carmen Miranda with the fag troupe Ladies Neid.

This night serves as a reminder for us to enjoy the fruits of our former struggles. A night about the explosive power of failure. A night against isolation and in support of taking the risk of consistently trying one another once more. Because we’re less lonely in a fruit salad.


Von und mit
Eine Koproduktion des Ballhaus Naunynstraße und des Studio Я.

Uraufführung 25. Juni 2016

An event by Kultursprünge at Ballhaus Naunynstraße gemeinnützige GmbH and Studio Я.

Gritty Glamour - new version

Dear Collegues, Friends, Family and criminal queers

This Friday from the 25th till Monday 27th we will present you a new version Gritty Glamour with the breathtaking Mad Kate alongside the X-Queers Jao Moon, Dieter Rita Scholl and Aérea Negrot. Come and spread the work to witness the birth of Mad Kate in Gritty Glamour.

in love

Simon(e) Paetau

A QUEER INTERVENTION
Gritty Glamour takes us into the Berlin night, to the backstage area of a club in Kreuzberg. Four artists: Maria Sumak, golden voice of electro and queen of the nightlife; Mad Rage, punk-feminist performer; Molina Puig, dancer and it-girl; and Greta Dietrich, West Berlin’s grande dame of drag chanson. While one performer at a time is on stage, the performer’s constellations and relationships behind the stage change. While they wait, they act out stories from their lives and engage with their respective understanding of community, sex, love, diaspora, family and the relationship between their everyday and their stage persona.

All of the performers are artists and figures from Berlin’s nightlife. The play interrogates the visibility of queer post-migrant artists and the role racist attributions play in a dominantly white queer scene. The artists’ diverse artistic forms of expression and perspectives are celebrated in a night of performance, juxtaposed in dialogue with one another and fictionalised. Based on interviews, the experiences and stories each participant brings with them are brought to the stage, reflecting a part of the life of the protagonists in Berlin. A life in contradictory worlds, often very close to precarity, where the exploration of boundaries, of sexuality, is part of the norm and the individual self is in a constant process of negotiation. The performers slip into the roles of their counterparts, take on their identities – and in an equally interdisciplinary involvement with music, text, video and dance they also keep re-negotiating the form of what happens on stage.

Produced by Kultursprünge at Ballhaus Naunynstraße gemeinnützige GmbH, funded by the Capital Cultural Fund.

Cruising @ Peaches


"Cruising in High Heels" is shown at #50isthenewcunt Peaches Birthday Blowout. This will just be epic, don't miss out.

Kino Latino Köln 2016

Kino Latino Köln 2016
Still aus "Cruising in High Heels" Videoperformance von Simon Jaikiriuma Paetau
— by Ute Dilger —


Das Kölner Festival des lateinamerikanischen Films (4. bis 9.11.) zeigt den Diplomfilm von Simon Jaikiriuma Paetau. Zum neunten Mal bereits findet das Festival "Kino Latino" (4. bis 9. November) in Köln statt. Das Festival zeigt aktuelle Filme aus Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chile, Ecuador, Kolumbien, Kuba und Venezuela in der Kölner Kino filmpalette. Im Kurzfilmprogramm am Sonntag (17 Uhr) wird der Abschlussfilm von Simon Jaikiriuma Paetau "Cruising in High Heels" gezeigt. Die Filmemacher sind anwesend.„Cruising in High Heels“ Videoperformance von Simon Paetau (2015, Kolumbien/Deutschland, 46 Min.) 


Ein Film über zwei apokalyptische Sissies zwischen Bogotá, Berlin und Cartagena. Jair ist Tänzer, Simon Filmemacher. Was als Dokumentarfilm über einen Tänzer beginnt, verwandelt sich langsam in eine Performance für die Kamera. Die Performances, die sie gemeinsam schaffen, spielen mit dem Dazwischen, dem Männlich-Weiblichen und der Aneignung von Räumen und Erwartungen, die auf sie projiziert werden.